Geschichte des INT

Von den Anfängen bis heute

Die Anfänge

Die Ursprünge der elektrotechnischen Institute in Stuttgart gehen zurück bis vor 1900. Werner von Siemens (1816-1892) regte den ersten Lehrstuhl der Elektrotechnik am damaligen Polytechnikum Stuttgart an. Hierzu gewann er König Karl I. von Württemberg (1823-1891), der dieses Anliegen förderte. Den ersten Lehrauftrag erhielt der habilitierte Doktor der Physik Wilhelm Dietrich, der 1882 seine Lehrtätigkeit in Stuttgart aufnahm. Seine Vorlesungen betrafen die Stromerzeugung und Energieübertragung, elektrische Beleuchtung, Elektrolyse und die Grundzüge des Messwesens. Für Studierende des Bauwesens hielt Dietrich die Vorlesung "Telegrafie und Eisenbahnsignalwesen". Diese Vorlesung bildete den Grundstein der späteren Nachrichtentechnik.

Professor Feldtkeller

Als offizielles Gründungsjahr des Instituts wird das Jahr 1936 angesehen. In diesem Jahr wurde Prof. Richard Feldtkeller (1901-1981) zum Ordentlichen Professor berufen. Nach einer institutionellen Neuausrichtung in dieser Zeit erscheint in Schröders Allgemeinem Hochschulführer vom Wintersemester 1937/38 das Institut noch als „Sammlung für elektrische Nachrichtentechnik“ mit Sitz in der Militärstraße 3, der heutigen Breitscheidstraße 3.

 Auszug aus Schröders Allgemeinem Hochschulführer Wintersemster 1937/38 (c)
Auszug aus Schröders Allgemeinem Hochschulführer Wintersemster 1937/38
Professor Feldtkeller (c) INT
Professor Feldtkeller
Professor Feldtkeller (c) INT
Professor Feldtkeller

Prof. Feldtkeller gilt als Begründer der Vierpoltheorie und trug wesentlich zur Einführung der Matrizenrechnung in der Elektrotechnik bei. Sein Forschungsschwerpunkt waren die Vierpole und Siebschaltungen, er hat aber auch auf den Gebieten der Elektroakustik und Physiologie des Hörens und Sehens geforscht. Prof. Feldtkeller studierte Physik an der Universität Halle und promovierte 1924 über „Die Störströme bei quantitativen Messungen mit dem Hochfrequenzverstärker“. Danach arbeitete er im Zentrallaboratorium von Siemens & Halske, bis er 1939 als Ordentlicher Professor für Elektrische Nachrichtentechnik an die damalige Technische Hochschule Stuttgart berufen wurde.

Im Sommer 1944 wurden fast alle Gebäude der Universität durch Luftangriffe zerstört, darunter auch das Gebäude in der Breitscheidstraße 3. Auch ein Teil der Geräte und Instrumente des Instituts, wurden dabei zerstört. Die Mitarbeiter und verbliebenen Geräte wurden in die Nähe von Reutlingen nach Eningen unter der Achalm gebracht.

Schulhaus in Eningen unter der Achalm (c) INT
Schulhaus in Eningen unter der Achalm

Nach den Jahren in Eningen u.A. wurde das Institut 1949 zunächst in das wiederaufgebaute Gebäude in der Breitscheidstraße 3 zurückverlegt, bis dann im Jahr 1960 der Neubau Elektrotechnisches Institut II bezogen werden konnte, der sich in der Breitscheidstraße 2 befindet, genau gegenüber dem alten Institutsgebäude.

Das Institutsgebäude in der Breitscheidstr. 2 (c) INT
Das Institutsgebäude in der Breitscheidstr. 2

Professor Kohn

Nach der Emeritierung Feldtkellers im Jahr 1966 wurde Prof. Gerhard Kohn (1928-1999) neuer Leiter des Instituts. Mit dem Blick auf die sich abzeichnenden Entwicklungen in der Nachrichtentechnik richtete er die Schwerpunkte des Instituts neu aus. Dazu gehörten Halbleiterspeicher, die schnelle Impulstechnik, die digitale Signalverarbeitung und - bereits Anfang der siebziger Jahre – auch die optische Nachrichtentechnik. Sie ist in der Zwischenzeit ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Datennetze geworden.

Professor Kohn (c) INT
Professor Kohn

Prof. Gerhard Kohn studierte an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik und war anschließend als Doktorand und Assistent bei Prof. Richard Feldtkeller tätig. Er promovierte 1958 zum Thema „Erzeugung von Nanosekundenimpulsen“ und ging 1960 in das IBM-Forschungslaboratorium nach Zürich. Unter seiner Leitung entstanden dort bedeutende Arbeiten über extrem schnelle Schaltvorgänge in Feldeffekttransistoren und in integrierten Schaltungen sowie über schnellste magnetische Speicher.

Professor Berroth

Im Jahr 1996 erfolgte dann die Berufung von Prof. Manfred Berroth an die Universität Stuttgart. Aufgrund der immer wichtiger werdenden optischen Kommunikation wurde im Zuge der Neuberufung auch der Name des Instituts um die Optische Nachrichtentechnik erweitert. Seit dieser Zeit konzentrieren sich die Arbeiten am Institut auf Simulation, Entwurf und Messtechnik im Bereich mikroelektronischer Schaltungen bei Frequenzen jenseits der Grenze von 1 GHz und im Bereich der optoelektronischen und integrierten optischen Bauelemente.

Professor Berroth (c) INT
Professor Berroth

Professor Berroth studierte Elektrotechnik an der Universität der Bundeswehr in München mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Danach arbeitete er am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik in Freiburg, vor allem an der Modellierung von GaAs-HEMTs für Hochfrequenzanwendungen und entwickelte monolithisch integrierte Mikrowellenschaltungen bis 60 GHz in GaAs/AlGaAs-Technologie sowie hochbitratige integrierte optoelektronische Empfänger. Nach seiner Promotion im Jahr 1991 an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Schaltkreissimulator für Heterostrukturfeldeffekttransistoren“ wurde er zunächst Abteilungsleiter und schließlich Stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik in Freiburg, bevor er 1996 den Ruf an die Universität Stuttgart annahm.

Im Jahr 1997 konnten die noch in der Breitscheidstraße 2 in Stuttgart verbliebenen Institute der Elektrotechnik, darunter das INT, in das neue Institutsgebäude „Elektrotechnische Institute II“ im Pfaffenwaldring 47 in Stuttgart-Vaihingen umziehen. Damit waren alle elektrotechnischen Institute an einem Ort versammelt und das INT konnte in neuen Büros und Laborräumen mit modernisierter Ausstattung weiterarbeiten.

Pfaffenwaldring 47 INT (c) INT
Blick auf das neue Institutsgebäude. Das INT befindet sich im 2. OG
 

Institut für Elektrische und Optische Nachrichtentechnik

Pfaffenwaldring 47, 70569 Stuttgart

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